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November 2008, Bd. 1

Bertram, Georg W. (Hrsg.): In der Welt der Sprache

Bertram, Georg W. (Hrsg.): In der Welt der Sprache. Konsequenzen des semantischen Holismus (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft), Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2008
ISBN-10: 3-518-29444-X, 332 S., EUR 12.00


Rezensiert von:
Temilo van Zantwijk, Universität Jena, Institut für Philosophie
E-Mail: Temilo.van.Zantwijk@uni-jena.de

Unter semantischem Holismus ist die These zu verstehen, dass sprachliche Zeichen nur durch ihre Beziehungen zu anderen Zeichen im Ganzen einer Sprache etwas bedeuten können. Die Entstehungsgeschichte des semantischen Holismus im 20. Jahrhundert ist Thema dieses Mehrautorenwerks. Der Holismus wird in den Mittelpunkt teilweise überraschender vergleichender Betrachtungen zwischen strukturalistischer Linguistik (Saussure, Jakobson, Hjelmslev) und logischem Empirismus (Hilbert, Schlick, Sellars) einerseits und poststrukturalistischer Sprachphilosophie (Derrida) und neueren Ansätzen einer holistischen Semantik (Davidson, McDowell) andererseits gestellt. Die letztgenannten Positionen markieren die Zielperspektive eines ‚postformalistischen semantischen Holismus‘, der eine Überwindung eines ‚formalistischen Mythos von der Autonomie der sprachlichen Struktur‘ beinhalte (vgl. S. 145f., 157).

Terminologie
Die mit systematischem Anspruch angelegte Konzeption bringt eine Reihe von terminologischen Neuerungen mit sich. Grundlegend ist die Unterscheidung zwischen einem formalistischen semantischen Holismus, der bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts vorherrschend gewesen sei, und einem postformalistischen Holismus der letzten fünfzig Jahre, der durch einen insbesondere von W. Sellars ausgehenden Paradigmenwechsel herbeigeführt worden sei: „Als formalistische Holismen bezeichnen wir Positionen, denen zufolge die Konstitution semantischer Gehalte im Rahmen einer sprachlichen Struktur mit Blick auf die formalen Beziehungen innerhalb dieser Struktur allein verständlich gemacht werden kann“ (S. 18). Der Formalismus wird hier als ein wichtiges Zwischenstadium in der Entstehung des heutigen postformalistischen Holismus verstanden. Der Letztere ist, so die historische These, durch die Überwindung der in dem Ersteren liegenden Inkonsistenzen entstanden. Von ‚Bedeutung‘ kann gemäß einem postformalistischen semantischen Holismus nur dort die Rede sein, „wo sprachliche Strukturen, Welt, Praktiken und an ihnen Beteiligte in der richtigen Weise zusammenspielen“ (Ebd.). Der Hauptunterschied zwischen Formalismus und Postformalismus ist damit benannt: Erst der Postformalismus habe durch die These einer gleichursprünglichen Konstitution von Sprache und Welt in sozialen Praktiken die Dichotomie von formaler Struktur und gegebener, den Inhalt bestimmender, Welt aufgebrochen. Eine strukturale Semantik erklärt Bedeutung sprachlicher Zeichen aus der Struktur, in die sie eingebettet sind. Es ist zu bedauern, dass der Systembegriff, gemessen an der Last, die er zu tragen hat, unspezifisch bleibt. Die Rede von einem „Netz“ (S. 138), die eine funktionale Abbildung suggeriert, bleibt metaphorisch. Die bereitgestellte Terminologie weist erhebliche Lücken auf, die zu einer Unbestimmtheit des Begriffs der Form führen: „Die Form eines Elements wird [...] von jenen seiner Eigenschaften gebildet, die ihm nur kraft seines Zusammenhangs mit den anderen Elementen der Struktur zukommen“ (S. 145).

Implizite Definition und formalistische Semantik
Die Autoren sehen die Anfänge eines formalistischen Holismus in Hilberts Konzeption einer ‚impliziten Definition‘ [2] der Grundbegriffe der Geometrie durch ihre Beziehungen zueinander in einem Axiomensystem. Vor allem die Rezeption dieser Konzeption einer impliziten Definition bei M. Schlick und W. Sellars habe zu einer holistischen Semantik beigetragen. Als historische These hat diese Behauptung eine Menge für sich. Ob der Sache eines semantischen Holismus mit ihr gedient ist, ist eine andere Frage. Zunächst ist, was auch die Autoren im Anschluss an F. Kambartel (Vgl. S. 44f.) tun [3], auf Freges Kritik an Hilbert hinzuweisen. Ein zentraler Einwand Freges ist, dass im Begriff der impliziten Definition eine Relation zweiter Stufe mit Relationen und Begriffen erster Stufe verwechselt werde: Hilbert glaube irrtümlich, dass durch einen Prädikator wie ‚Zwischenliegen‘ („Die Punkte einer Geraden stehen in einer gewissen Beziehung zueinander, zu deren Beschreibung uns insbesondere das Wort ‚zwischen‘ dient“ [4]) die Begriffe ‚Punkt‘ und ‚Gerade‘ definiert werden könnten. Dass die Axiome, die dabei als Gleichungen mit den Grundbegriffen als Variablen betrachtet werden, überhaupt auflösbar sind, d. h. dass es etwas gibt, was Punkt, Gerade usw. ist, geht aus deren Beschreibung mittels des Prädikats ‚liegt zwischen‘ nicht hervor.[5] Dagegen wird behauptet, dass die Konzeption einer impliziten Definition gerettet werden kann, wenn man Hilberts Axiomensystem nicht als Gleichungssystem auffasst. Dann hielte man sich die Option offen, „dass es sich bei dem nichtlogischen Vokabular der Axiome um Ausdrücke handelt, die keine Platzhalter für irgendwelche anderen [...] sind“ (S. 46). In dieser Lösung spielen aber Aspekte, die zumindest aus der Sicht Hilberts gerade entscheidend sind, nämlich die Unabhängigkeit der Axiome voneinander sowie Widerspruchsfreiheit und Vollständigkeit des Axiomensystems im Blick auf alle aus ihm ableitbaren Sätze, gar keine Rolle. Warum sollte man bei dieser holistischen Interpretation noch von impliziter Definition sprechen?
Problematisch ist weiter die Identifikation eines an Hilbert orientierten Formalismus mit dem logischen Empirismus im Allgemeinen. Zwar übernimmt M. Schlick die Konzeption der impliziten Definition von Hilbert, aber diese These ist im Wiener Kreis keineswegs unumstritten. Die Autoren sitzen dem Irrtum Schlicks auf, dass die Übertragung des Konzepts der impliziten Definition von Axiomensystemen auf nicht axiomatische Zeichensysteme unproblematisch ist. Genau das ist aber strittig. R. Carnap weist im Logische[n] Aufbau der Welt den Begriff der impliziten Definition für ein Konstitutionssystem ausdrücklich zurück und vertritt eine durch explizite Definitionen einzuführende phänomenalistische Systembasis, wobei Alternativen wie eine physikalistische Basis zugelassen werden. Jedenfalls gibt es hier aber letzte, nicht weiter definierbare (logisch einfache) Prädikatoren, die in einer Basis zusammengefasst sind. Ein Konstitutionssystem im Sinne Carnaps ist daher kein Axiomensystem im Sinne Hilberts. Dabei versteht Carnap eine explizite Definition im Sinne einer allgemeingültigen Ersetzungsregel, die es erlaubt, einen Prädikator systematisch durch einen anderen zu ersetzen.[6] Der ersetzte Prädikator (das Definiendum) wird dabei auf den ersetzenden zurückgeführt bzw. durch diesen konstituiert. Steht innerhalb eines Konstitutionssystems für einen Prädikator keine explizite Definition zur Verfügung, so spricht Carnap im Anschluss an B. Russell von ‚Gebrauchsdefinitionen‘.[7] Carnap legt großen Wert darauf, zwischen Gebrauchsdefinition und impliziter Definition zu unterscheiden.[8] Carnap hat sich an anderer Stelle auf die Konzeption einer impliziten Definition eingelassen.[9] Er akzeptiert sie aber nicht in der Konstitutionstheorie. Dieser Befund hätte die Autoren zu der Frage veranlassen müssen, ob die Konzeption einer impliziten Definition überhaupt zur Konstitution von Bedeutung taugt (dabei ist das Wort ‚Konstitution‘ im Übrigen nur eines von vielen Grundbegriffen ihrer holistischen Bedeutungstheorie, die sie undefiniert verwenden).
Die Gewinnung eines strukturwissenschaftlichen Konstitutionsbegriffs im Anschluss an Carnaps Aufbau hätte die Autoren auch auf die Fährte zu weiteren Problemen des Formalismus geführt. Der Hauptpunkt dieser Kritik ist, dass ein Formalismus prinzipiell nicht in der Lage ist, Gegenstände, Ereignisse oder Prozesse zu individuieren, was dem Begriff ‚Konstitution‘ Beschränkungen auferlegt. Gerade dieses nimmt Carnap aber in Anspruch, indem er behauptet, „daß die eindeutige Kennzeichnung durch bloße Strukturangaben allgemein möglich ist, soweit überhaupt wissenschaftliche Unterscheidung möglich ist: jene Kennzeichnung versagt nur dann für zwei Gegenstände, wenn sie überhaupt nicht mit wissenschaftlichen Mitteln unterscheidbar sind“.[10] Bei der Wahl der Basisprädikatoren werden aber empirische Informationen gebraucht: Wenn (um an Carnaps berühmtes Beispiel für eine Strukturbeschreibung anzuknüpfen) ein Streckennetz der Eisenbahn keine Knotenpunkte ‚hat‘, kann es auch nicht durch die topologische Ordnung dieser Knotenpunkte strukturell gekennzeichnet werden.[11]
Wenn eine rein strukturwissenschaftliche Gegenstandskennzeichnung als unzureichend zurückgewiesen wird, stellt sich das Problem der Einführung und Bildung der Basisprädikatoren, wie Carnap eingeräumt hat.[12] Nun räumt Carnap aber ein: „Der Begriff der Fundiertheit ist undefinierbar“.[13] Folglich ist eine Strukturwissenschaft im Sinne Carnaps entweder nicht eindeutig oder sie ist nicht ausschließlich logisch begründet. In beiden Fällen ist sie streng genommen keine ‚strukturelle Kennzeichnung‘, die sowohl die Einzigkeitsbedingung erfüllt als auch rein formal sein muss. Daraus folgt, dass auch die Ersetzung der Idee, Basisprädikate durch implizite Definition einzuführen, durch eine Orientierung an expliziten Definitionen den Formalismus nicht retten kann. Dieser Zusammenhang wäre auch deswegen zu berücksichtigen gewesen, weil er schon von sich aus eine Grundsatzkritik des Strukturalismus einschließt. Dessen Überwindung hätte also gar nicht auf den postformalistischen semantischen Holismus warten müssen.

Postformalistischer semantischer Holismus
Dass man Autoren wie Davidson und McDowell unter dem Begriff eines postformalistischen Holismus zusammenfasst, wird niemand kritisieren. McDowells Analysen von De-re-Einstellungen und seine allgemeine These von einer wechselseitigen Abhängigkeit von Sprache und Welt machen ihn zu einem der wichtigsten Vertreter einer holistischen Semantik überhaupt. Auch Davidson ist im Rahmen der These der radikalen Interpretation zu der Auffassung gelangt, dass die Bedeutung einer Sprache (einer Theorie) angeben heißt, „jedem Satz einen Ort in dem semantischen Muster der Sprache zuzuweisen, indem seine logischen Beziehungen zu den übrigen Sätzen der Sprache explizit gemacht werden [...]“ (S. 250). Davidsons Theorie der Triangulation zwischen zwei interagierenden Lebewesen und einem gemeinsamen Gegenstand ist notwendige Voraussetzung sowohl für den Begriff der objektiven Wahrheit als auch deren Verfehlung (vgl. S. 253) und zeigt, dass Davidson bereits zur Auffassung von der Welthaltigkeit der Sprache, die einen zentraler Bestandteil auch der Auffassung der Autoren selbst bildet, gelangt ist. Davidsons Externalismus, der in der These besteht, dass die Interaktion eines Sprechers mit der Welt notwendige Voraussetzung für die Bedeutung von empirischen Prädikaten ist in dem Sinne holistisch zu erweitern, dass wechselseitige Beziehungen zwischen den Sätzen einer Sprache und den Überzeugungen eines Sprechers anerkannt werden (vgl. S. 261). Dabei spielt weiter die soziale Verständigung der Sprecher als Personen eine grundlegende Rolle. Die Autoren schreiben Davidson aus diesem Grund einen ‚perspektivischen‘ semantischen Holismus zu.

Strukturalismus und Phänomenologie
Nun liegt aber die Relevanz des postformalistischen semantischen Holismus in der These, dass auch der kontinentale Poststrukturalismus unter ihn subsumierbar sei. Bereits bei Merleau-Ponty gebe es eine Versöhnung zwischen einer strukturalistischen Bedeutungstheorie und der Auffassung, dass die Umstände der Äußerung sowie individuelle Absichten und Fähigkeiten semantisch unverzichtbar sind (vgl. S. 191). Hier wird die Idee einer Expressivität der Sprache, die für die Erfahrungen des eigenen Leibes konstitutiv sind, ins Spiel gebracht. Das alles sind Aspekte, denen die Rolle einer Erweiterung des in der analytischen Tradition begründeten Holismus zugesprochen wird und die insbesondere auch zu einer Übersteigung der Sprache auf die Welt hin beitragen sollen, ohne den linguistic turn aufzugeben. Der Beitrag Merleau-Pontys zu diesem Projekt darf allerdings nicht überschätzt werden, vor allem weil nicht klar wird, wie leibliche (individuelle und situative) Erfahrungen auf die Struktur einer Sprache (oder eines Ausdrucksmediums) einwirken können (vgl. S. 193). Dadurch verblasst die Rede von Struktur im Kontext der Frage nach ihrer phänomenalen Konstitution.

Poststrukturalismus postformalistisch gelesen
Diese Auflösung der eingeführten Terminologie setzt sich mit Bezug zu Derrida fort, dessen Frühschriften als weitere Variante eines postformalistischen Holismus interpretiert werden. Dabei wird wieder ein veränderter Begriff von Struktur zum Ausgangspunkt genommen: „Die Struktur, in der Zeichen konstituiert werden, umfasst Elemente unterschiedlichen Typs: sprachliche Zeichen, nichtsprachliche Gegenstände, mentale Zustände etc.“ (S. 210f). Was damit gemeint sein könnte, erschließt sich zumindest einigermaßen aus Derridas These, dass Zeichen notwendig eine Zeichenmaterie voraussetzen (vgl. S. 220). Sprachliche Zeichen sind z. B. Laute, die durch Luftschwingungen zu Stande kommen, oder Schriftzeichen, die durch Druckerschwärze oder Tinte realisiert werden. Gegenstände, die Zeichen sind, sind dadurch bestimmt, dass sie sich von anderen Gegenständen unterscheiden. Sie sind also nur in Beziehungen des Sichunterscheidens von Anderem verständlich. Derrida verabschiedet sich damit von einem Zeichenbegriff, der durch Repräsentation erklärt ist. Zeichen sind hier keine Symbole, die für etwas stehen oder stehen können, das heißt, durch die Funktion der Repräsentation definiert sind. Zeichen werden nicht mehr in Opposition zu Gegenständen gesetzt, sondern als eine Art von Gegenständen betrachtet. Die Überwindung eines repräsentationalistischen Zeichenbegriffs ist eines der Hauptargumente der Autoren für eine Aufnahme Derridas in die Reihe postformalistischer Semantiken.
Der Versuch, Derridas Konzeption von Zeichen als materiellen Gegenständen in die beabsichtigte Semantik einzugliedern, macht aber eben diese (um eine als grundlegend angesehene Paradoxie organisierte) Konzeption inkonsistent. Die Unterscheidung zwischen ‚Zeichengegenständen‘ und ‚nichtzeichenartigen Gegenständen‘ wird von den Autoren durch ein Merkmal eingeführt, welches es ermöglichen soll, beide Arten von Gegenständen (oder ‚Materialitäten‘) voneinander zu unterscheiden: „Ein Zeichengegenstand ist ein Gegenstand, der sich von nichtzeichenartigen Gegenständen unterscheidet“ (S. 235). Versuchen wir nun auch den Begriff des nichtzeichenartigen Gegenstands zu definieren, so entstehen erhebliche Schwierigkeiten. Diese sind nämlich dadurch bestimmt, dass sie sich ihrerseits hinsichtlich „Verwendbarkeit und Wahrnehmbarkeit“ (S. 236) von Zeichengegenständen unterscheiden. Was aber dadurch bestimmt ist, dass es sich von Anderem unterscheidet, ist gemäß dem eingeführten Zeichenbegriff ein Zeichen. Nichtzeichenartige Gegenstände sind im Rahmen der eingeführten Terminologie Zeichen!

Eine Kritik, die sich selbst auflöst
Hauptsächlich ist der Band aber für eine fundamentale Unklarheit in Bezug auf das, was er angreift, zu kritisieren. Die am Anfang gegen Hilbert gerichtete Kritik wendet sich zum Ende gegen eine These von der ‚Autonomie des Sinnes‘, die ausgerechnet dem schärfsten Kritiker Hilberts, nämlich Frege, zugeschrieben wird: „Sowohl in der Philosophie der Wahrnehmung beziehungsweise des Mentalen als auch in der Philosophie der Sprache wird also die Konstitution von Gehalt - Freges ‚Sinn‘ - zunächst einmal als von der Welt unabhängig oder, wie wir im ersten Teil dieses Buchs gesagt haben, als autonom beschrieben“ (S. 274). Das, wovon sich der vorgeschlagene postformalistische Holismus absetzt, ist hier bloß noch die unterstellte Meinung, dass irgendetwas ‚autonom‘ sei, was auch immer das heißt. Um die kritisierte Position schärfer herauszuarbeiten, wäre an einer anderen Stelle anzusetzen gewesen, nämlich bei der Frage, ob es möglich ist, den formalen Teil einer Sprache zu isolieren. Diese Fragestellung hätte die Autoren in eine viel tiefere Auseinandersetzung mit Carnaps Bemühungen um einen Begriff der Analytizität geführt. Wenn es gelingt, für eine (künstliche) Sprache eine Menge von Sätzen zu isolieren, die in jedem Modell dieser Sprache wahr bzw. falsch sind, so könnte man diese Sätze mit Carnap ‚analytisch‘ oder ‚logisch bestimmt‘ (L-determinate) nennen.[14] In Auseinandersetzung mit Quines Kritik an dieser Konzeption wäre zu klären gewesen, ob es überhaupt möglich ist, einen Teil einer Sprache als ‚formal‘ zu bezeichnen. Für die grundsätzliche Frage nach der Möglichkeit einer formalistischen Semantik wäre dieser Kontext jedenfalls viel wichtiger gewesen als eine unklare Kritik an einem unklaren Mythos.

Anmerkungen
[1] Gottfried Gabriel: Implizite Definitionen – Eine Verwechselungsgeschichte. In: Annals of Science 35 (1978), S. 419-423.
[2] Friedrich Kambartel: Erfahrung und Struktur. Bausteine zu einer Kritik des Empirismus und Formalismus. 2. Auflage. Frankfurt/M. 1976.
[3] David Hilbert: Grundlagen der Geometrie §3; Gottlob Frege: Über die Grundlagen der Geometrie II. In: Kleine Schriften Hg. I. Angelelli. Hildesheim, Zürich, New York 21990, S. 267-272, 267.
[4] Gottlob Frege: Über die Grundlagen der Geometrie. In: Kleine Schriften, S. 271.
[5] Rudolf Carnap: Der logische Aufbau der Welt [1928]. ND Hamburg 1998, Nr. 38, S. 51.
[6] A. a. O., Nr. 39, S. 52.
[7] Ebd.
[8] Rudolf Carnap: Eigentliche und uneigentliche Begriffe. Symposion. Band 1, Heft 4, 1927, S. 355-374.
[9] Carnap: Aufbau, Nr. 15, S. 19.
[10] Vgl. Steve Awodey und André Carus: Carnaps Dream: Gödel, Wittgenstein und Logical Syntax. Synthese 159 (2007), S. 23-45, S. 28.
[11] Carnap: Aufbau Nr. 153, S. 205.
[12] A. a. O., Nr. 154, S. 207.
[13] Rudolf Carnap: Meaning and Neccessity [1947]. Chicago und London 1988, Df. 2-3, S. 11. Im schwer zugänglichen zweiten Kapitel dehnt Carnap die Definition von ‚logisch bestimmt‘ auch auf andere Designatoren aus.


Empfohlene Zitierweise:
Temilo van Zantwijk: [Rezension zu:] Bertram, Georg W. (Hrsg.): In der Welt der Sprache. Konsequenzen des semantischen Holismus (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft), Frankfurt am Main 2008. In: Kritikon, 01.11.2008. Abgerufen am 05.02.2012. <http://www.kritikon.de/issue/200811/9>

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