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Juli 2009, Bd. 2

Henning, Christoph: Philosophie nach Marx

Henning, Christoph: Philosophie nach Marx. 100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik (= Edition Moderne Postmoderne), Bielefeld: transcript 2005
ISBN-13: 978-3-89942-367-9, 659 S., ca. EUR 39.80, ca. sfr 69.20


Rezensiert von:
Martin Eichler, Universität Leipzig, Institut für Philosophie
E-Mail: eichler.post@web.de

Christoph Hennings Buch ist der Versuch einer umfassenden Apologie des Soziologen und Philosophen Marx. Zumindest im deutschsprachigen Raum habe nur er eine gehaltvolle und generelle Theorie der kapitalistischen Vergesellschaftung vorgelegt. Marx wird als Wissenschaftler verteidigt, dessen Theorie sowohl der deutschen Soziologie als auch den neoklassischen wie keynesianischen Wirtschaftswissenschaften weit überlegen sei. Mit dieser These positioniert sich Henning gegen die gesamten universitären Wirtschaftswissenschaften und gegen sämtliche Spielarten der Gesellschaftstheorie. Darüber hinaus versucht er zu zeigen, dass die bisherigen Strömungen des Marxismus, die deutsche Sozialphilosophie und verschiedene Stränge der amerikanischen Diskussion (Liberalismus, Kommunitarismus und Pragmatismus) durch eine systematische Fehl- bzw. Nichtrezeption der Marxschen Schriften in eine grundlegende Sackgasse geraten seien. Im Prinzip, so ließe sich zuspritzen, könnte man alles, was nach Marx zum Problem des Kapitalismus und der modernen Gesellschaft geschrieben worden sei, getrost den Wissenschaftshistorikern überlassen. Henning will eine „Destruktion des Überlieferungsgeschehens“ (23) betreiben.

Methodisch bedient sich Henning dabei einer Strategie, die sich grob in fünf Schritte gliedern lässt. Zum ersten muss er aufzeigen, dass die Marxsche Kapitalismustheorie tatsächlich sachhaltige Aussagen über die gegenwärtige Gesellschaft trifft. Dabei muss er, zweitens, eine Interpretation der Marxschen Schriften vorlegen, die es erlaubt, die vielfältigen Kritiken an Marx (er sei Arbeitsontologe, Geschichtsphilosoph, heilsbringender Prophet, Entfremdungstheoretiker etc.) zurückzuweisen. Henning bedient sich drittens eines philosophischen Fundaments, auf dem die Marxsche Theorie aufzuruhn in der Lage sein soll. In den heutigen Sozialwissenschaften muss viertens eine Marxvermeidungs- bzw. Missdeutungsstrategie aufgezeigt werden, die fünftens dazu führt, dass sie ihrem Gegenstand, der kapitalistischen Gesellschaft, nicht gerecht werden.
Durch den Stoff bewegt sich Henning mehr systematisch als historisch, er beginnt mit Spielarten des Marxismus (Sozialdemokratie, Bolschewismus), geht zur Neoklassik, zur deutschen Soziologie, zur Sozialphilosophie, schließlich zur Kritischen Theorie, um dann, in der Gegenwart, einen Bogen über Habermas, Rawls und die Wirtschaftsethik zum Neopragmatismus zu schlagen. Die Verteidigung von Marx wird dabei in Einsprengseln, sog. „systematischen Kernpunkten“, vorgenommen.
Formal ist zu bemerken, dass dem Buch ein gründlicheres Lektorat gut getan hätte. So scheinen Wörter ausgefallen zu sein, das 90-seitige Literaturverzeichnis ist unvollständig, die Quellenangaben teilweise ungenau und willkürlich. Die Fußnoten, in denen Urteile über Myriaden von Autoren („Postmodern ist a,b,c,...,z“), gefällt werden, vermitteln nicht immer den Eindruck sauberen Arbeitens.

Die Sachhaltigkeit der Marxschen Sozialtheorie versucht Henning an einigen konkreten Punkten aufzuzeigen. Diese sollen pars pro toto die Relevanz des gesamten Marxschen Theorieprogramms plausibel machen. Die ökonomischen Gesichtspunkte lassen sich dabei unter den Titeln Geld-, Kapital- und Krisentheorie zusammenfassen. Vor allem in diesen drei Aspekten sieht Henning die Marxsche Theorie gegenüber der Neoklassik als überlegen an. Marx konnte sie grundbegrifflich in sein ökonomisches System integrieren, während die Neoklassik sie als externe Momente nur im Nachhinein berücksichtigen könne. Die Marxsche Theorie sei insofern wirklichkeitsnäher als die hegemoniale Strömung der Wirtschaftswissenschaften (197).
In dieser Abstraktheit ist dem von Seiten des Rezensenten nichts hinzuzufügen, doch viel mehr als ein Common Sense, zumindest unter Marxisten, ist damit erst einmal nicht formuliert. Jedenfalls sprechen die angeführten Punkte für eine Aktualität der Marxschen Theorie (zumal im Licht der gegenwärtigen ökonomischen Entwicklungen) – ein Hauptziel von Hennings Beweisführung ist damit erfüllt.
Doch birgt gerade die Komplexität der Marxschen Theorie mit ihren verschiedenen kategorialen Ebenen auch allerhand Probleme. Es stellen sich (in Hinblick auf das Buch von Henning) bspw. folgende Fragen: Erfährt die Marxsche Theorie (bzw. erfahren einzelne Thesen) eine empirische Bestätigung oder wie ist sie sonst zu plausibilisieren? Wie ist mit der kategorialen Struktur der marxschen Theorie selbst umzugehen, die im Gegensatz zu neoklassischen Konzepten nicht mechanistisch und quantitativ, sondern eher organisch und qualitativ verfährt? Wie sind schließlich die Marxschen Grundbegriffe wie Wert, Ware und Arbeit zu verstehen?
Das Problem der empirischen Bestätigung zeigt Henning selbst an. Die Marxschen Theoreme – exemplifiziert wird dies am Fall der Profitrate – haben ein viel zu hohes Abstraktionsniveau, um unmittelbar mit der Wirklichkeit vergleichbar zu sein. Es sei hier vielmehr ein Auseinandertreten von hintergründiger Struktur und Erscheinungswelt zu konstatieren, das unbedingt zu beachten sei, drohe doch sonst eine „Naturalisierung“ von Marx, die Henning u.a. in der orthodoxen deutschen Sozialdemokratie (Kautsky wird angeführt) beobachtet (27). „Bloße Momentbetrachtungen“ sagten nichts über die „Logik des Fungierens“ aus (41). So richtig diese Kritik an der klassischen Sozialdemokratie ist, so schwer fällt es Henning jedoch, ein nachvollziehbares Kriterium anzugeben, welches die Marxschen Theoreme verifiziert. Er belässt es bei Formeln. Man müsse Marx nach der „Angemessenheit seiner Ergebnisse beurteilen“ (152) und ihn „an der explanatorischen Kraft der ganzen Theorie“ prüfen (564). Am ehesten wird an einer Aussage zur Klassentheorie deutlich, was Henning im Sinn hat: Er konstatiert auch hier, dass Klassen nicht unmittelbar erscheinen könnten (228), ihre Evidenz jedoch letztlich aus dem „vortheoretische[n] Alltagsbewusstsein“ gewönnen. Dieses „zeigt deutlich an, dass wir sehr wohl in einer Klassengesellschaft leben.“ (249)
Henning appelliert also an den Common Sense – und schließlich sähe man durch die Marxsche Brille die Probleme einfach besser. „Die meisten Wirtschaftsphänomene kommen aus Marx’ Sicht besser in den Blick als aus neoklassischer oder keynesianischer Perspektive.“ (562) Das hinter solcher Metaphorik stehende Theorieprogramm bedürfte jedoch dringend einer Präzisierung, ein Verweis auf den Common Sense allein liefert kein Kriterium für die Richtigkeit einer Aussage, gerade nicht bei sozialen Phänomen. Zwar mag der Satz „Was gut ist, weiß wohl jeder.“ (541) auf der allgemeinsten Ebene menschlichen Zusammenlebens gelten, aber gerade nicht im Feld der in Frage stehenden Auseinandersetzungen um die richtige Form gesellschaftlichen Wirtschaftens. Marx hat das besser gewusst als Henning, schließlich gehören Ideologie und Fetischismus zu seinen Zentralbegriffen.
Die internen Probleme der Marxschen Theoriestruktur beschäftigen Henning nicht; ein Zug, der vielleicht strategisch – angesichts der heillosen Streitereien die es um diese Thematik gibt – nicht der schlechteste ist, der aber die Probleme nicht löst. Henning bevorzugt ein dualistisches Modell (hier die Theorie, da die Wirklichkeit) – wobei die Theorie in sich noch einmal gegliedert ist, nach abstrakten und konkreten Momenten, die Erkenntnistheorie nach untergründigen Strukturen und erscheinender Realität. Dabei findet weder die Rolle des Fetischismus Beachtung, noch die zentrale Unterscheidung von Form und Inhalt für die Marxsche Gesellschaftsanalyse.
Von einer besonderen Spezifik sozialwissenschaftlicher Gesetze, über ihre Historizität hinaus, weiß Henning nichts. Dabei geht verloren, dass das, was in der Gesellschaftstheorie als Gesetz firmiert, real von den Individuen als Zwang erfahren und nur durch sie hindurch exekutiert wird. Den gesellschaftlichen Strukturen kommt so eine Realität bzw. Wirksamkeit zu, deren Zusammenhang mit der theoretischen Rede über sie zu allererst einmal zu klären wäre. Die Rede vom „objektiven Geist“ – so missverständlich sie ist –, als „Ort“, an dem die gesellschaftlichen Normen lokalisiert sind, ist ein solcher Versuch. Henning tut diese jedoch vorschnell als Subjektivismus bzw. Normativismus ab.
Die – ontologisch gesprochen – Sphäre des gesellschaftlichen Seins wird von Henning nicht adäquat gefasst, wenn er sie als Sphäre „aggregierter gesellschaftlicher Handlungen“ (77) bestimmt. Gesellschaft ist gerade bei Marx immer mehr als eine bloße Anhäufung von Einzelhandlungen. So ist der Begriff der Gesellschaft bei Henning selber unterbestimmt. Diese Unterkomplexität verrät sich auch im folgenden Zitat: „Marx’ Kritik des deutschen Idealismus in der pol. Philosophie lässt sich dagegen auf die Formel bringen, dass Änderungen der „Form“ eben nicht, jedenfalls nicht automatisch, auf den „Inhalt“ durchschlagen, da die reale Entwicklung auf Seiten des Inhalts vorgeht.“ (101) Dies verfehlt den Marxschen Ansatz. In der Okkupation des Inhalts durch die Form findet Marx das abstrakte Modell, in dem er seine Kapitalismuskritik formuliert. Statt dem Inhalt (den menschlichen Bedürfnissen, dem Gebrauchswert) gerecht zu werden, verselbständigt sich die Form (der abstrakte Reichtum). Zwar macht sich der Inhalt – als Entwicklung der Produktivkräfte – auch im Kapitalismus letztlich doch immer wieder geltend und insofern gibt es keine alleinige Suprematie der Form, aber dies zeigt nur, wie vielschichtig das Marxsche Modell abstrakt betrachtet schon ist. Der Marxsche Nominalismus, von dem Henning en passant spricht (101), zeigt sich letztlich darin, dass die Form nicht über den Inhalt herrschen soll und das dies eine reale Möglichkeit sei, nicht jedoch in einer Analyse der gegenwärtigen Gesellschaft.
Undeutlich bleibt die Behandlung der Marxschen Grundbegriffe. Bezüglich der Arbeitswertlehre wird nur konstatiert, dass ohne sie die Marxsche Theorie wertlos sei. (154) Dies ist eine plausible These, dennoch bedürfte es gerade dann einer Diskussion dieser grundlegenden Prämisse. Die Bemerkung, dass die Marxschen Grundbegriffe erst durch die gesamte Theorie ihre Bedeutung erhielten (145), kann als ein solcher Versuch verstanden werden, doch greift hier wieder das Problem, was es heißen soll, eine Theorie nur im Ganzen einschätzen zu können.
Letztlich ist Hennings Strategie die Folgende: Die methodischen Grundsatzfragen werden negiert und als unfruchtbar zurückgewiesen. Sie seien zu spekulativ. Worauf es ankäme, wäre gründliches Forschen und die Wiedergewinnung einer „neuen Theorie des Basis“ (20).
Dem entspricht auch sein Verständnis von Philosophie: „Die Rolle der Philosophie beschränkt sich […] auf die Abwehr von Missverständnissen und die Ermöglichung einer „übersichtlichen Darstellung“. (334) Diesen „mageren Philosophiebegriff“ teile Marx mit Kant und Wittgenstein (544.) Man ist versucht zu sagen, dass das mit der übersichtlichen Darstellung bei Marx nicht so richtig geklappt haben kann, denn sonst hätten ihn doch wenigstens einige seiner Nachfolger verstehen müssen. Sicher legt Henning den Finger in die richtige Wunde, wenn er den unter dt. Marxisten überbordenden Diskussionen um die Marxsche Methode skeptisch gegenübersteht. Prinzipiell müssen Methodenfragen einer Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit nachgeordnet sein. Dass sich der Marxismus heute (in Deutschland) fast ausschließlich auf solche Fragen beschränkt, ist aber nicht allein einer bloßen Fehlrezeption von Marx zuzuschreiben, sondern hat vor allem auch gesellschaftliche Ursachen.

Die Generalthese einer Marxvermeidung bzw. Marxmissdeutung in Sozialphilosophie und Sozialwissenschaften wird mit beeindruckender Vehemenz an Dutzenden von Autoren durchexerziert. Allein steht die Frage, ob nicht Henning mit dieser These genau jenem Verdikt verfällt, unter das er die Mehrheit der behandelten Sozialwissenschaftler subsumiert. Zu fragen wäre in einem Marxschen Sinne nämlich nicht (oder doch jedenfalls nicht nur) nach dem Einfluss der Marxschen Theorie auf die folgenden Theoretiker, sondern nach dem der Wirklichkeit auf die Theoriebildung. So gibt es auch reale Gründe, die ein Abrücken von Marx nötig machten oder zumindest nötig scheinen ließen. Dies kann an Habermas und der Kritischen Theorie expliziert werden. Die Theorie des kommunikativen Handelns bspw. reagiert auf Marx, indem sie ihn nicht allein als Gesellschaftstheoretiker, sondern eben auch als Gesellschaftskritiker liest. Dabei bietet sie eine begriffliche Unterscheidung an, in welchen Bereichen Emanzipation möglich ist und in welchen nicht – sie trennt System und Lebenswelt. Dies kann man mit Henning als Normativismus kritisieren, um Gerechtigkeit Habermas gegenüber walten zu lassen, muss jedoch gesagt werden, dass die Einschränkung des Emanzipationsversprechens auf die Lebenswelt (und deren anthropologische Begründung) auf die reale (praktische) Rezeption der Marxschen Theorie durch den ebenso realen Sozialismus reagiert. Denn tatsächlich stellt sich die normative Frage, ob ein System der Planung oder eines des Marktes besser geeignet sei, das Wohlergehen der Individuen zu gewährleisten. (Diese Frage kann man vielleicht noch als zu abstrakt zurückweisen, aber auch eine konkretere Fragestellung ändert am hier interessierenden Problem nichts.) Als praktische Frage bedarf sie eines Mediums der Kommunikation und prima facie spricht nichts dagegen, diese Aufgabe der Sozialphilosophie zu überantworten. Reicht es denn hin, zu wissen, dass die Geldform notwendig ist, um den Kapitalismus zu denken, dass Krisen im Tausch immer schon angelegt sind und dass die Wirtschaft notwendigerweise wachsen muss (bzw. auf der Mikroebene: Firmen immer profitabel wirtschaften müssen)? Die politische Entscheidung, die in diesem Wissen immer noch getroffen werden muss, ist die, ob man ein solches System affirmieren oder ein anderes an die Stelle setzen möchte. Vielleicht meint Henning, Philosophen sollten sich solchen Fragen nicht zuwenden, dies sei die Aufgabe der politisch Handelnden selbst? Auch für dieses metastufige Problem bedarf es wiederum des Gebens und Nehmens von Gründen.
An Habermas zeigt sich weiterhin exemplarisch, dass der Generalvorwurf, die Sozialphilosophen würden den „Gegenstand Gesellschaft“ vergessen (24), so nicht zu halten ist. Zwar ist es tatsächlich problematisch, dass Habermas die Systemtheorie Parsons’ für eine Analyse der Gesellschaft heranzieht (Henning kritisiert das mit guten Gründen), doch beruht seine These der Kolonisierung der Lebenswelt auf einem explizierten Gesellschaftsbegriff. Auch der Vorwurf des „Primates der Politik“ (bspw. 121), dem die Mehrzahl der behandelten Autoren aufsäße, bedarf einer Präzisierung – nicht an der Theoriegeschichte, sondern an der Wirklichkeit. So stellt sich etwa, über Marx hinaus, die Frage nach der Möglichkeit der sozialstaatlichen Domestizierung des Kapitalismus – auf die Habermas auf seine Art und Weise antwortet. Ein Gesellschaftsmodell mit einem abstrakt konstatierten „Primat der Ökonomie“ ist unterkomplex – dies zeigt sich schließlich auch an der Behandlung der Kritischen Theorie.
Henning kritisiert diese als „Depotenzierung der wirklichen kritischen Theorien von Marx und Kant“ (343). Die Vorwürfe, die Henning gegen sie aufführt (mangelndes Ökonomieverständnis, Reduzierung von Gesellschaftstheorie auf Theologie, mangelnde empirische Forschung etc.), sind altbekannt, selten aber wurden sie mit solch polemischer Verve vorgetragen. Völlig aus dem Blick gerät Henning jedoch die spezifische Situation des Nationalsozialismus und die Erfahrung von Auschwitz, mit der die Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung umgehen mussten (und etwa mit den Untersuchungen zum autoritären Charakter und in den „Elementen des Antisemitismus“ auch taten). Henning erklärt nicht, wie der soziologische und ökonomische Kategorienapparat, den er verteidigt, etwa den Antisemitismus adäquat erfassen soll. Hier gerät Henning ex negativo in die Nähe eines kruden Ökonomismus, die Marxschen Thesen zum Fetischismus, die Ansätze zum Verstehen des Antisemitismus liefern, fallen, das wurde schon erwähnt, aus Henning Überlegungen heraus.
Der Furor gegen die Kritische Theorie ist auch deswegen unverständlich, weil Henning auf Begriffe Adornos zurückgreift – explizit bedient er sich des Begriffs des Nichtidentischen. Auch das „besondere Bedürfnis“ nach „Syntheseleistungen“, das Henning im deutschen Volksgeist verortet (bspw. 545), nimmt Anleihen an Adornos Begriff des „ontologischen Bedürfnisses“.

Hennings enzyklopädische, polemische und oftmals auch treffende Kritik an der Sozialtheorie nach Marx gerät alles in allem in Gefahr, die Marxverleugnung durch eine Realitätsverleugnung zu ersetzen.


Empfohlene Zitierweise:
Martin Eichler: [Rezension zu:] Henning, Christoph: Philosophie nach Marx. 100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik (= Edition Moderne Postmoderne), Bielefeld 2005. In: Kritikon, 10.07.2009. Abgerufen am 10.03.2010. <http://www.kritikon.de/issue/200907/29>

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